3. August 2025, Hamburg. Ein Tag, an dem es um Afrohaar, Locken und vor allem um mehr Sicherheit im Friseursalon ging.

Wie lernst du, mit einer Haarstruktur zu arbeiten, die du in deiner Ausbildung kaum kennengelernt hast? Mit einem Video allein ist es nicht getan. Du musst Haare sehen, anfassen, Fragen stellen und selbst üben können.
Genau darum ging es bei AfroCurls Pro, dem Workshop, den ich im August 2025 gemeinsam mit Abina Ntim von JONA curly hair care in Hamburg veranstaltet habe. Es war ein Tag mit Friseur*innen vor Ort und Teilnehmenden, die online zugeschaltet waren. Und für mich persönlich war es ein ziemlich wichtiger Schritt.
Warum wir AfroCurls Pro ins Leben gerufen haben
Abina hatte mich schon Jahre zuvor darauf angesprochen, gemeinsam eine Fortbildung zu organisieren. Ihr war wichtig, dass Afrohaar in der Friseurausbildung und in deutschen Salons mehr Aufmerksamkeit bekommt. Sie bringt dafür ihren kulturanthropologischen Hintergrund und ihr Netzwerk mit. Ich bringe das Friseurhandwerk mit: Beratung, Haaranalyse, Schnitt, Reinigung und Styling aus meiner täglichen Arbeit mit Wellen, Locken und Coils.
Unsere Perspektiven haben sich bei AfroCurls Pro ergänzt. Wir wollten zeigen, dass es nicht reicht, über Vielfalt im Salon zu sprechen. Friseur*innen brauchen die Möglichkeit, sich fachlich und praktisch mit unterschiedlichen Haarstrukturen auseinanderzusetzen.
Zwei Perspektiven, ein gemeinsamer Workshop
Der eintägige Workshop hatte zwei Schwerpunkte. Abina sprach über kulturelle Zusammenhänge, sensible Kommunikation und den respektvollen Umgang mit Kund*innen mit Afrohaar. Dazu gehörte auch die Frage, welche Formulierungen im Beratungsgespräch Vertrauen schaffen und welche eher unangenehm sein können.
In meinem Teil wurde es friseurfachlich: Was fragst du bei der Beratung? Warum reinigst du das Haar auf eine bestimmte Weise? Wie entscheidest du dich für einen Schnitt? Und wie entsteht ein Wash-and-Go, das zur Haarstruktur und zum gewünschten Ergebnis passt?
Mir ging es nicht darum, dass jemand am Ende einen Ablauf auswendig kann. Ich wollte, dass die Teilnehmenden verstehen, warum sie jeden Schritt machen.
Erst zuhören, dann wirklich verstehen
Ein guter Haarschnitt ist nur so gut wie die Beratung davor. Das ist etwas, das ich meinen Kund*innen schon lange vermittle und das auch im Workshop eine zentrale Rolle gespielt hat.
Was wünscht sich die Person? Wie trägt sie ihre Locken im Alltag? Ist ihr Länge wichtig, Volumen, Definition oder etwas ganz anderes? Wie viel Zeit möchte sie in das Styling investieren? Ohne diese Antworten kannst du zwar technisch sauber schneiden, aber trotzdem am eigentlichen Wunsch vorbeiarbeiten.
Gerade bei Haarstrukturen, mit denen Friseurinnen bisher wenig Erfahrung haben, kommt noch etwas dazu: Vertrauen. Manche Menschen mit Afrohaar oder engen Coils haben so oft schlechte Erfahrungen gemacht, dass sie einen Salon lieber gar nicht mehr aufsuchen. Gleichzeitig haben manche Friseurinnen kaum Gelegenheit, solche Haarstrukturen praktisch kennenzulernen. So entsteht eine Distanz, die niemandem hilft.
Die Live-Demo: Eine echte Person statt nur Bilder und Theorie
Für den praktischen Teil hatte ich echte Modelle selbst ausgesucht, die bereit waren, ihre Haare für die Demonstration zur Verfügung zu stellen. Eine der Personen war anfangs ganz aufgeregt und gleichzeitig richtig offen und neugierig. Ich fand das total schön, weil es gezeigt hat, dass bei so einer Schulung auf beiden Seiten Vertrauen dazugehört.
Die Teilnehmenden konnten nicht nur zusehen und Fragen stellen. Mit Zustimmung des Modells durften sie die Haarstruktur auch selbst fühlen. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, ist aber etwas völlig anderes, als eine Locke nur auf dem Bildschirm zu sehen.
Danach ging es an die Übungsköpfe. Dort konnten die Friseur*innen selbst arbeiten, ausprobieren und das Gelernte festigen. Die Übungsköpfe durften sie anschließend zum Weiterüben mitnehmen. Die eigenständige Praxis fand also am Übungskopf statt; die Live-Demo an echten Menschen habe ich angeleitet.

Drei Aha-Momente, die mir geblieben sind
1. Clarifying ist mehr als Shampoo am Ansatz. Wir haben uns angeschaut, wie eine professionelle Reinigung funktioniert, warum auch die Längen berücksichtigt werden und welchen Unterschied eine saubere Grundlage fürs weitere Styling macht.
2. Wasser und Produktmenge verändern das Ergebnis. Wie viel Wasser ist beim Styling im Haar? Wie wird das Produkt verteilt? Was passiert mit der Definition, wenn diese Schritte bewusst statt nach Gefühl gemacht werden? Bei der Demonstration wurde das direkt sichtbar.
3. Shrinkage muss man einmal wirklich erlebt haben. Besonders beim Schneiden war das ein Moment, in dem einige noch einmal anders auf die Haarlänge geschaut haben. Wenn du eine geschnittene Locke anschließend auseinanderziehst, wird erst richtig deutlich, wie viel Länge du tatsächlich abgenommen hast. Dieses Verständnis beeinflusst deine Schnittentscheidungen.
Das sind keine Tricks. Das ist Friseurfachwissen, angewendet auf unterschiedliche Haarstrukturen.
Was dieser Tag für mich verändert hat
Ich hatte vorher schon kleinere Schulungen gegeben, aber AfroCurls Pro war mein erstes größeres Schulungsevent mit mehreren Kooperationspartnern, Live-Demo, Online-Teilnahme und richtig schönen Goodie-Bags. Marken wie Lockenbox, Curl Bites und Unrefined Riches haben uns dabei unterstützt.
Am meisten ist mir aber etwas anderes geblieben: Ich habe gemerkt, wie viel Freude es mir macht, Friseur*innen zu unterrichten. Besonders dann, wenn Theorie plötzlich praktisch Sinn ergibt und aus Unsicherheit echtes Verständnis wird.
Und es hat mir noch einmal gezeigt, wie viel Wissen Kundinnen heute teilweise selbst mitbringen. Ich liebe es, wenn sich meine Babeyhair-Kundinnen für ihre Haare interessieren. Aber für die fachliche Einordnung sollten sie sich auch auf uns Friseur*innen verlassen können. Professionelles Wissen sollte nicht erst mühsam aus DIY-Videos zusammengesucht werden müssen.

Was aus AfroCurls Pro geworden ist
AfroCurls Pro war unsere gemeinsame Veranstaltung von 2025. Aktuell sind keine weiteren Termine angekündigt. Ob es irgendwann eine neue Ausgabe gibt, lassen wir offen.
Der Workshop hat mich allerdings darin bestärkt, meine eigenen Schulungen weiterzuentwickeln. Heute unterrichte ich bei Babeyhair Pro mein Afrocurls System. Das ist mein eigenes Schulungskonzept für Wellen, Locken und Coils, nicht nur für Afrohaar.
Das System verbindet Beratung, Haaranalyse, Schnittlogik, Reinigung, Wash-and-Go-Styling und Trocknung zu einem durchdachten Salonablauf. Bei den zweitägigen Inhouse-Schulungen arbeiten wir praktisch am Übungskopf; je nach Erfahrungsstand des Teams kommt die Arbeit an Live-Modellen dazu. Inhalt und Modellfokus werden an das Team angepasst.
Wenn du also nach einer aktuellen Locken- oder Afrohaar-Fortbildung für deinen Salon suchst: Schau dir Babeyhair Pro und das Afrocurls System an →
Danke an Abina, unsere Modelle, alle Teilnehmenden und die Marken, die diesen gemeinsamen Workshop möglich gemacht haben.